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Inhaltsverzeichnis:Winterkampfausbildung
I
Winterkampfausbildung IEine
starke Truppe muss mit jedem Wetter zurecht kommen. Denn wenn es warm
ist und die Sonnen scheint ist das Leben im Felde nicht schwer, hingegen
sollte man bei nassem und kaltem Wetter wissen, wie man sich gesund
erhält. Aus diesem Grunde haben wir im Winter eine sogenannte Winterkampfausbildung
gemacht und wollten zu diesem Zweck auf eine Hütte (welch Luxus!)
verlegen. Das Kommando während dieser Übung hatte ein Reservist
des Heeres, ein OFw.
Ein Marsch mit dem Bus brachte uns bis an den Fuss des Berges, an dem unsere Hütte lag. Als wir absassen fiel uns als erstes der Schlepplift auf. Wir befanden uns mitten in einem touristisch erschlossenen Skigebiet! Offenbar machten die Soldaten durchaus einen gewissen Eindruck auf die Touristen, welche sich an der Piste tummelten. Insbesondere die Kinder näherten sich und bestaunten die Uniformierten und ihre Waffen ("Das da unten ist das Magazin. Aber die sind doch bestimmt nicht geladen!!?!"). Diszipliniert luden wir das mitgebrachte Material ab, bereiteten unsere Skier vor und traten an. Dabei wurden wir natürlich beobachtet. Man betrachtete uns mit Respekt, und das war uns ganz recht so. Dann kam der Befehl, die Ski anzulegen, das Gepäck aufzunehmen und mit dem Schlepplift (!) bis zu unserer Hütte zu fahren. Einen Befehl muss man ausführen! Einige aus der Gruppe (z.B. ich, Bernhard) hatten zwar noch nie zuvor Ski an ihre Füsse geschnallt, doch wenn befohlen wird, sich mit dem Schlepplift bis zur Hütte ziehen zu lassen, dann ist das doch eigentlich eine Erleichterung und sollte ohne Murren entgegengenommen werden. Also stellten wir uns in der Reihe der Touristen an. Und in Position. Das volle Gepäck auf dem Rücken, das Gewehr am Mann und zum ersten Mal auf Brettern. Dann kam der Schlepper. Dann spürte ich einen Ruck. Irgendwie hatte ich noch den Eindruck, dass da etwas schiefläuft. Dann ging der Schlepper. Und ich lag im Schnee. Heftig kämpfend mit der Schwerkraft und diesen elenden Skiern mühte ich mich, ebenso wie mein Kamerad, der sich auch nicht hatte halten koennen, wieder auf die Beine. Inzwischen war der Lift von Touristen belagert, die aber keineswegs wieder nach oben fahren wollten. Jedenfalls nicht, bevor das Schauspiel in grün zu Ende wäre. Wie mir erging es noch anderen Kameraden, und man betrachtete uns mittlerweile nicht mehr mit Respekt, sondern lachte unverhohlen über die slapstickartigen Versuche einiger Soldaten, mit dem Lift zurecht zu kommen. Nun, nachdem sich die Touristen ausgiebig amüsiert hatten, wurde denn doch befohlen, dass diejenigen, welche nicht skifahren konnten, mit Hilfe der Felle aufsteigen sollten. Der Aufstieg war beschwerlich, und wer uns mit dem Gepäck beim Aufstieg beobachtete, konnte erkennen, dass wir uns dabei nicht schonten. Trotz der Strapazen zeigten wir uns stets kämpferisch und zeigten keine Schwäche. Dennoch: Der Respekt der Touristen war vorbei.
Winterkampfausbildung IIIn
einer beliebten Fernsehserie sind Dinosaurier mit den Lebensgewohnheiten
der Amerikaner der Neunziger die Hauptdarsteller. Als diese einen Krieg
führen, tragen sie Uniformen, die eine erstaunliche Ähnlichkeit
mit Zielscheiben aufweisen.
Die
Soldaten der Bundeswehr gehen da etwas vorsichtiger vor: "Tarnen und
Täuschen" gehört zum Handwerkszeug eines jeden Infanteristen.
Schon die Kampfanzüge der Bundeswehr sind grundsätzlich durch
ihre grüne Farbe eine gewisse Tarnung, wenngleich diese im Winter
vor schneebedeckter Landschaft verständlicherweise etwas leidet.
Winterkampfausbildung IIIWenn
man sich zu einer Winterkampfausbildung mitten in ein Skigebiet begibt,
dann hat das den Vorteil, dass man eine Piste hat. Es hat jedoch den
Nachteil, dass sich dort mitunter Touristen tummeln.
Ob es daran lag oder an einer Vorliebe für Dunkelheit des OFw des Heeres, der die Leitung der Übung hatte, dass wir nachts zum ersten mal einen Aufstieg wagten ist ungewiss. Jedenfalls war dieser nächtliche Aufstieg für einige von uns der zweite Kontakt mit Skiern (der erste war der Aufstieg zur Hütte). Daher hatte inzwischen auch jeder die Technik drauf, mit befellten Ski einen Berg zu erklimmen. Man muss es schon zugeben: Es hatte was. Durch den Schnee war trotz der Dunkelheit einigermassen gute Sicht, und man hatte die Piste für sich. Und die Aussicht erst, als wir den Berg erklommen hatten: man sah die Lichter des Dorfes im Tal, und man sah, wie soll ich sagen, sonst leider nicht sehr viel von der grandiosen Bergwelt. Aber schliesslich waren wir auch nicht wegen der Aussicht gekommen, sondern um etwas zu lernen. Und so erhielten wir hier auf dem Gipfel des Berges eine Einweisung in den Akja und wie man einen Verletzten darin befördert, als auch, wie man sich leicht selbst einen basteln kann. Dann kam der Befehl zur Abfahrt. Wie? Was heisst da wie? Schaun Sie halt zu, dass sie da irgendwie runterkommen!!! AAAAHA! War das der ganze Trick beim Skifahren? Nur wenig hilfreicher war der Tip eines Kameraden, in der Kurve immer den Bergski zu belasten. Naja, Befehlsverweigerung brachte wenig, sonst würde man auf diesem Berg ja wohl erfrieren. Also los: Gaaaanz langsam! Scheisse, wie fährt man langsam.....Kurve, Kuuurveee, Geh doch in diese elende Kuuuuuuuuuuaaaaaaaaaoooooooohhhsssscheiiiiiiiii... O.K. Schnee aus dem Gesicht und aus den Handschuhen, neu postieren, und gaaaanz, ach so, wie das geht weiss ich ja immer noch nicht!!, hilft aber nichts. Nicht so schnell, nicht soo schneeeellll, und ist es eigentlich schlecht, wenn sich meine Skier kreuzen??? In Ordnung: Schnee aus dem Gesicht wischen, Schnee im Kragen ignorieren und erneut: Ah, wenn der Berg flach ist, gehts. Aber was will denn der da vorn, der immer "links, links!" ruft? Würd ich ja gerne, aber WIE GEHT DAS? Aha, vor der Wasserpfütze wollte er mich also warnen, in die ich jetzt gefallen bin. Wenn man nass ist, kommt einem alles irgendwie viel kälter vor. Egal, weiter. Die Kurve da vorne werde ich wohl mit meiner inzwischen bewährten Technik meistern: Fallen lassen und in der neuen Richtung aufstellen. Funktioniert ja prima! He, du da, du befindest dich auf Kollisions..... Kannst du nicht aufpassen???? Wie, du kannst gar nicht Skifahren? Muss Nichtkönnen nicht befohlen werden? Irgendwie sind die meisten von uns wieder heil zurück zur Hütte gekommen. Bis auf einen. Seine Kurventechnik war nicht so ausgefeilt, so dass er stürzte und sich eine üble Platzwunde am Kopf zuzog. Mit dem Akja wurde er ins Tal und mit dem KrKW ins Krankenhaus gebracht. Sollte
die Einweisung ins Skifahren gründlicher verlaufen? Bis heute muss ich bei der Erinnerung an diese Nacht lachen, wie viele andere von uns auch. Nur einer hat eine etwas schmerzhaftere Erinnerung daran. HütteDas
System der Bundeswehr basiert auf dem Prinzip von Befehl und Gehorsam.
Und da wir als Wehrdienstleistende in der Befehlskette recht weit unten
standen (eigentlich ganz unten), gehorchten wir ohne zu zögern
dem Befehl unseres Zugführers, eine Woche lang auf der Hütte
der (Wartungsstaffel?) zu verbringen. Der Auftrag bestand einzig und
allein darin, auf die Hütte zu gehen und eine gute Zeit zu haben.
Aus unserer Staffel erhielten sechs Soldaten diesen Befehl, Alex, Heiko,
Frank, S. und (wie hieß er gleich noch?). Nun hat ja jeder seine
ganz eigenen Vorstellungen davon, wie man eine Woche auf einer Hütte
in den winterlichen Bergen angenehm verbringen kann. "Bei der Bundeswehr
wird man zum Raucher und zum Säufer." Eine Einschätzung,
die mit unserer Erfahrung nicht übereinstimmt. Allerdings, wer
schon vor der Bundeswehr dem Alkohol kräftig zusprach, der sah
offensichtlich während dem Jahr als Wehrpflichtiger keinen Grund,
seine Gewohnheiten diesbezüglich zu ändern. Und so war es
auch bei S.: Sein bester Freund war der Geist in der Flasche, und mit
diesem hatte er auch sofort nach unserer Ankunft ein intensives Gespräch.
So intensiv, dass er schon gegen 1800 in seine Schlafecke kroch (etwas
abseits von den anderen) und sich erst mal davon erholte. Als die anderen
gegen 0300 dann ihrerseits Schlaf suchten, begann er wieder ein Gespräch
mit seinem Freund. Am nächsten Tag war er dann so erschöpft,
dass er nahezu den ganzen Tag schlafend verbrachte. Und es gab nichts,
was etwas daran ändern konnte. Nicht, dass wir allzu besorgt um
S. gewesen wären, schließlich wussten wir ja, was er verträgt,
aber dennoch wollten wir mal sehen, wie man ihn wach bekommt. Und wir
haben uns Mühe gegeben: Rufe mit seinem Namen, diverse Tollereien
und lautstarke Diskussionen direkt vor seiner Schlafstatt änderten
nichts am konstanten Schnarchen von S. Ein letzter Versuch bestand darin,
einen laufenden Staubsauger direkt neben sein Ohr zu legen. Als wir
das getan hatten, machten wir uns aus dem Staub, in der Vermutung, S.
wäre nicht erfreut, wenn er in seiner Ruhe gestört würde.
Wir begaben uns also einen Stock tiefer, wo man das Brummen des Saugers
noch deutlich hören konnte (!). Wir warteten. Der Staubsauger lief.
Wir warteten weiter. Der Staubsauger wurde nicht abgeschalten. Nach
geraumer Zeit gingen wir bedächtig wieder nach oben, nahmen den
Staubsauger weg und ließen S. weiterschlafen. Diese Geschichte
soll nicht nur der Unterhaltung dienen. S. trank sehr viel und regelmäßig
Alkohol. Mit großer Wahrscheinlichkeit war er Alkoholiker. Dass
wir alle das nur vermutet hätten wäre wohl untertrieben, vielmehr
waren wir uns dessen sicher. Dennoch hat keiner etwas unternommen, um
ihm zu helfen (was S. freilich auch gar nicht gewollt hätte), weder
von seinen Kameraden noch von seinen Vorgesetzten. Für mich ist
diese Geschichte immer mit einem schlechten Gewissen verbunden, und
ich hoffe, dass ich in Zukunft mehr Mut haben werde.
Erste HilfeEin
paar macht es Spass, ein paar bräuchten Erholung vom Vortag, lüften
müsstee man mal wieder.
Der Stabsarzt fragt in die Runde "Was würden Sie bei einer stark blutenden Kopfverletzung tun?" Er gerät geschickterweise an unseren Gefreiten H. "Abbinden!", "Aha, und wo denn?", "Am Hals?!" Anmerkung: Dies stellt eine Ausnahme dar! Der Soldat im grossen und ganzen beherrscht jedoch die Erste Hilfe! Aber, auch so jemand soll das Ausbildungsziel erreichen, so ist dann eben die Gruppe gefragt, sukzessive Nachhilfe zu erteilen. Der SchnitzelbaumDas
Leben im Felde bei der Bundeswehr, es hat schon so seine Tücken.
Nicht, dass die moderne Campingindustrie uns nicht genügend Möglichkeiten
an die Hand gebe, um auch in der freien Natur einigermassen gemütlich
über die Runden zu kommen. Allein, bei der Bundeswehr muss man
auf den meisten Schnickschnack, den wir beim Campen so liebgewonnen
haben, verzichten. Weitgehend gilt dies etwa für Licht in der Nacht.
Der Grund ist ja klar: Licht ist in der Nacht einfach wahnsinnig gut
zu sehen, und welcher Soldat will schon gesehen werden - vom Feind.
Während einer kleinen Übung im November 94, hatten wir uns
nach Beginn der Dämmerung auf plötzliche Dunkelheit vorbereitet,
und tatsächlich, sie war gekommen. Und nicht nur sie, als es stockfinster
war, da kam auch unsere Verpflegung, welche wir leider aus der Truppenküche
bezogen statt aus EPAs. Der Weg von unserem Gruppennest zum Essen führte
uns über einen kleinen Deich, welcher einen Weiher umgab, und,
wie das bei Deichen eben so ist, auf beiden Seiten steil abwärts
ging. Als wir alle unsere Ration erhalten hatten, gingen wir über
eben jenen Deich zurück zu unserem Gruppennest, als wir plötzlich
Heikos Schatten am Wegesrand verschwinden sahen und ein plumpsendes
Geräusch, gepaart mit dem Scheppern von Essgeschirr hörten.
Besorgt näherten wir uns der Stelle des Absturzes. "Scheiße,
mein Schnitzel!!" Als wir das hörten, wussten wir zumindest, dass
Heiko nichts schlimmes passiert war - ausser der tragische Verlust seines
Schnitzels eben, der aber glücklicherweise ersetzt werden konnte.
Auf einer späteren Übung kamen wir wieder an denselben Weiher,
und just an der Stelle von Heikos Absturz wächst nunmehr ein kleiner
Baum. Wir wissen zwar noch nicht, welche Früchte er tragen wird,
aber wir haben da so unsere Vermutung.
Der KnallNahezu
jeder männliche deutsche im wehrfähigen Alter, der körperlich
und geistig bei der Musterung als nicht "untauglich" eingestuft wird,
hat die Chance, Rekrut bei der Bundeswehr zu werden. Herausragende geistige
Fähigkeiten bilden dafür zunächst keine Voraussetzung.
So kommt es, dass bei der Bundeswehr mitunter Personen eine Waffe in
die Hand bekommen, welche ansonsten mitunter Probleme haben, den linken
Schuh am linken Fuß und den rechten Schuh am rechten Fuß
anzuziehen. Auch in unserer Gruppe gab es so eine Person, nennen wir
ihn mal Arthur. Nach einer Übung, bei der wir unsere Gewehre mit
ôManövermunitionö geladen hatten, also Munition, die nur knallt,
ohne dass ein Geschoss den Lauf verlässt, sollten wir diese gemeinsam
entladen und eine Sicherheitsüberprüfung durchführen.
Also zählte der Zugführer an: "eins, zwei, drei...!" und anstelle
der vier hörte man das Geräusch von 36 Magazinen, die exakt
gleichzeitig entfernt wurden, was sich anhörte, als ob ein gewaltiges
Magazin aus einem gewaltigen G3 entfernt würde. "Eins, zwei, drei...!"
Ein gewaltiger Spannschieber wurde zurückgeschoben. "Sicherheitsüberprüfung!"
Nun führten 35 Soldaten exakt gleichzeitig eine Sicherheitsüberprüfung
durch, versicherten sich also, dass sich keine Patrone mehr im Patronenlager
befand. Da es sich nur um Manövermunition handelte verzichteten
die Vorgesetzten darauf, sich selbst Einblick ins Patronenlager zu verschaffen.
"Eins, zwei, drei,...!" Ein gewaltiger Spannschieber schnellte wieder
nach vorn. "Eins, zwei, drei,...!" Ein gewaltiger Entspannschuss knallte
los. Die Wehrpflichtigen waren schockiert, die Vorgesetzten wütend,
nur Arthur verstand die Welt nicht mehr. Denn was bei einem Entspannschuss
auf gar keinen Fall passieren darf ist, dass es knallt. Ein "Klick",
ja. Aber nie, nie, nie ein Knall, der nur von eben der Patrone im Patronenlager
herrühren kann, von der man sich ja im Augenblick davor berzeugt
hat, dass sie gar nicht existiert! Und eben das war Arthur gerade passiert:
Sein Knall hatte das Klick der 35 anderen Gewehre mühelos übertönt.
Nun, unsere Einheit hat die Wache gestellt, und da wurden die Waffen
nicht nur mit Manövermunition geladen. Vielleicht überrascht
es ja den einen oder anderen, aber mit Arthur, der trotz hervorragender
Ausbildung am G3 keine korrekte Sicherheitsüberprüfung zustande
gebracht hatte, wollte keiner auf Wache gehen.
GeschwaderübungEs
war Geschwaderübung angesetzt. Da wir schon eine hinter uns hatten,
waren wir dieses mal gerüstet. Wir waren für MEK eingeteilt
und sollten 2 bis 3 Tage in einer ausgedienten Starfighter Wartungshalle
der Einsätze harren die da kommen sollten. Die Erfahrung aus der
vorherigen Übung hatte gezeigt, dass zwischen den Alarmierungen
unseres Mobilen Einsatz Komandos durchaus ein paar Stunden vergehen
können, dann aber vor allem Nachts und bei P..wetter kaum ist man
im warmen und trockenen wieder der Funk oder das Telephon schreit. Also
Lagebsprechung am Tag -2, Einkauf von Lebensmitteln am Tag -1 und Verlegung
der notwendigsten Ausrüstung in die Halle nach Dienst. Am Tag 0
Kampfausrüstung verlegen, so dass alles um 0600 bereit ist. Dann
Personal sortieren, aha, ein Grp.Fh. ein Stelli, Fahrer, unseres 2t,
Luchs Sim, MG3, ZF, PzF, Handgranaten Soldat. Das wars. Der Trost: die
schlagkräftigste Gruppe ist nur 3 bis 5 Mann stark. Passt, beinahe.
Als nach ersten Einsätzen der Spiess vorbeischaut, ob er uns in
die ungenutzte Halle einen Kaffee vorbeibringen kann, stellt er erstaunt
fest, "Oh, ich glaube sie haben alles!" Kaffemaschine, Fernseher, Video,
Videospiele, Betten (für den Notfall! Isomatte oder Stuhl sind
voll aufgerödelt eher zu empfehlen!), Fleischkäse, Gurken,
Weckle, Milch, Müsli, Sprudel, und diverses andere. Die "Pausen"
zwischen den Einsätzen verbrachten wir mit lesen, spielen und Waffen
reinigen (es ist äzend wenn der Verschluss am MG3 nicht so läuft
wie er könnte und Störungen müssen nicht sein. Sie sind
auch höchst unpraktisch bei Feindkontakt). Bei heissen Diskussionen
über Aufträge, die StOV, Wehrpflicht, zivile berufliche Weiterbildung,
und und und hätten wir fast den Funk vergessen. Doch meist stürzten
eh gleich zwei hin und die anderen fragten voller Erwartung "Einsatz???"
Wer sich da wundert, dass wir mit bester Laune ausrückten um im
Regen im Wald irgendwelche Saboteure zu suchen dem ist immer noch nicht
klar geworden, dass man für eine gute Motivation doch einiges tun
kann.
GraugänseÜbungen
im Walde sind stets mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden. Man hat
kein Bett, keine Heizung, keine Duschen und kein WC. Ausserdem sind
Übungen anstrengend: Märsche, Nachtwachen, kämpfen. So
ist es nicht verwunderlich, dass während einer Übung der Flieger
D. immer stiller wurde und etwas bedrückt wirkte. Als er dann im
Gruppennest nicht mehr auffiel, vermutete man, er habe sich in seinen
Schlafsack verkrochen, um zu ruhen. Andere lagen derweil als Alarmposten
in ihrer Stellung. Seit anderthalb Stunden waren sie bereits draussen
im Regen und wachten und frierten. Und das, nachdem sie schon die letzte
Nacht kaum Schlaf gehabt hatten. Eine halbe Stunde noch. Der Tag war
ruhig gewesen, und so liess die Wachsamkeit mitunter etwas nach. Man
riss sich zwar immer wieder am Riemen, aber der Kampf gegen die Müdigkeit
war nicht leicht. Plötzlich ein Geräusch! Über dem Wald
war ein einziges Rauschen. Über einer Lichtung konnte man den Grund
sehen: Graugänse! Sie zogen gen Süden. Ein beeindruckendes
Schauspiel. Man konnte es jedes Jahr erleben, mit einer unerschütterlichen
Regelmässigkeit. Es war eben so ein Naturgesetz... Das schreckte
auf. Man durfte sich nicht jedem Gesetz beugen, auch wenn es ein Naturgesetz
war, deswegen war man ja schliesslich da. Und so kämpfte man weiter
gegen den Schlaf. Und tatsächlich, im Vorfeld tat sich was. Man
konnte einen Zweig brechen hören. Da, eine Bewegung! Feind? "Halt,
stehenbleiben! Bundeswehr!" "Net schiessa, i bins doch." Nun konnte
man ja nicht jeden an der Stimme erkennen. Doch dafür gab es ja
ein probates Mittel, die Zugehörigkeit des Gegenüber festzustellen.
"Parole: Tanne!" "Schwein!" "Ok, du kannst kommen." Es war D., mit dem
Klappspaten in der Hand (Naja, irgendwann muss man halt auch im Wald
mal).
Ein schönes Gefühl, als Preis der Wachsamkeit einen Freund im Vorfeld zu finden.
(c) jabog34.de, 17.11.2003
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