1630.
Das war die magische Zahl. An den meisten Tagen des einen Jahres war dann sogar tatsächlich Dienstschluss, sonst eben, wenn vom Vorgesetzten der Ruf "Diiiiieenstschluuuuusssss!!!" durch die Gänge hallte. Danach kam etwas anderes, meist in Zivil, selten, wenn man zu faul war, sich umzuziehen und das Geschwader sowieso nicht verliess, auch mal in Uniform.
Bis 1800 nur hatte die Küche offen, also war meistens erst mal das übliche BWK angesagt, alle weiteren Aktivitäten auf später verschoben. Ausser, man hatte eh vor, was anderes zu essen, was doch recht häufig der Fall war...
Anschliessend hielten sich einige auf der Stube auf, lasen oder sprachen mit anderen über die während des Dienstes genossene Ausbildung. Häufig genug arteten diese Gespräche in einer Art Selbststudium aus. Andere gingen in die Stadt, um Einkäufe zu tätigen, wieder andere begaben sich in die Staffelbar, wo man ein Bier trinken, sich mit Kartenspielen oder Billard die Zeit vertreiben und eventuell auch mal mit einem Vorgesetzten über die Frage diskutieren konnte, wie man ein Bier richtig einschenkt, damit es Schaum gibt. Freilich konnte so eine Diskussion schwere Nebenwirkungen haben, wenn man eine grössere Testreihe durchführen musste...
Eine andere Beschäftigung, für die man das Staffelgebäude nicht zu verlassen brauchte waren Videos. Fernseher und Rekorder waren vorhanden, Filme ebenfalls (hauptsächlich Bundy). Oder man betrachtete die peinlichen Dias einer Übung, überlebensgross projiziert auf die Wand des Nachbargebäudes. Schliesslich sollten andere auch was davon haben. Eher selten kam es vor, dass sich jemand ein Hobby wie Karate zulegte, dem er dann regelmässig nachzugehen versuchte.
Was die Geselligkeit wohl am meisten förderte, war, wenn man gemeinsam in die Stadt fuhr und den Abend dort verbrachte, hier ein besonderer Gruss an die "Küferschenke".

Es gab aber freilich auch den anderen Dienstschluss, den, der nach einer Übung gegeben wurde. Nach solchem Dienst war man sich in der Regel einig, welchem Zeitvertreib man nachgehen wollte: Den meist eklatanten Schlafmangel auszugleichen. Das einzige, das einen noch eine Zeitlang wachhalten konnte war dann die dringend benötigte Dusche.

Später nach Dienst, oder vielmehr vor Dienst begann der Tag dann wieder um 0600 mit dem Weckruf des UvD. Dann standen je nach Temperament die Einen sofort auf und verkündeten jedem, der es wissen wollte oder nicht, dass sie guter Laune seien, die anderen verwünschten ihn dafür, weil sie gar nicht so guter Laune waren und die letzten schliefen einfach weiter. Diejenigen, die aufgestanden waren betrieben Körperpflege, zogen die Uniform an, begaben sich auf einen Kaffee und vielleicht ein Brötchen in die Kantine und kehrten dann zurück nach 12 Charlie. Gerade rechtzeitig, um die anderen voll aus dem Bett zu werfen, denn um 0720 war Antreten und ein weiterer Diensttag begann.


(c) jabog34.de, 17.11.2003